Du hast es geschafft, liebe Mama. Die Qual der letzten Wochen hat ein Ende. Gestern Nachmittag bist du von uns gegangen, eine Stunde, bevor ich zu dir wollte. Irgendwie glaube ich, du wolltest mich in diesem Moment nicht an deiner Seite haben. Sonst hättest du vielleicht noch gewartet. Ich bin traurig und esse dir zu Ehren ein Matjesbrötchen. Bei Papa…
Während der letzten Tage, die ich an Mamas Bett verbrachte, erfahre ich in der Einrichtung immer wieder, wie unterschiedlich das Lebensende aussehen kann. Was mich dabei vor allem beschäftigt, ist ein gewisses Ausgeliefertsein, das ich dabei wahrnehme. Warum ich daraufhin meine eigene Patientenverfügung nochmal anpassen werde, davon möchte ich heute erzählen. Die einen dürfen nicht gehen, die anderen können nicht…
Vorgerstern rief mich der Hausarzt meiner Mama an, der sie in der Pflegeeinrichtung betreut. Es war ein sehr gutes, einfühlsames Gespräch, in dem er mir eröffnete, Mama weigere sich, ihre Medikamente zu nehmen – und er sei auch dafür, sie abzusetzen und auf Palliativmedizin umzusteigen. Ein harter Schritt für mich. Weil ich als Generalbevollmächtigte wieder eine Entscheidung treffen musste. Dass…
Vorgestern wurde Mama „austherapiert“ aus dem Krankenhaus entlassen und zurück ins Pflegeheim verlegt. Jeden Tag fahre ich zu ihr, ohne zu wissen, was mich diesmal erwartet. Es ist eine Achterbahnfahrt sondergleichen. Ich habe das Bedürfnis, diesen Weg hier zu begleiten. Schreiben hilft mir – und so lange ich darüber schreiben kann, ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Die Rückkehr…
Vor zwei Wochen bist du noch am Rollator durch dein Zimmer im Pflegeheim gelaufen, um dich an deinen Tisch zu setzen und dein geliebtes Matjesbrötchen zu mampfen, das ich dir ab und zu mitbringe. Jetzt liegst du hilflos im Krankenhaus, kannst deine Beine nicht mehr bewegen und dich nichtmal mehr alleine aufsetzen. Und das alles ist irreparabel. Draußen hört es…
Ich spreche ja oft darüber, dass Care-Arbeit kostet (Nerven, Zeit, Geld – nicht selten die Karriere) und beschwere mich, dass die gesellschaftliche Leistung Pflegender Angehöriger nicht genug beachtet wird. Dabei ist mir aufgefallen, dass wir noch viel zu wenig über dieses „Mehr“ an Leistung sprechen. Was ist denn dieses „Mehr“ eigentlich? Dieser Frage möchte ich mich heute mit einem konkreten…
Meine Mutter ist echt ne Marke. Anders kann ich das nicht ausdrücken. Monatelang machen wir uns von Februar bis Ende Mai 2024 die größten Sorgen um sie, weil sie – noch zu Hause wohnend – ständig Krampfanfälle bekam, zwischen Krankenhaus und Wohnung hin- und herpendelte und zwischenzeitlich volldemente Phasen hatte, in denen sie mich nicht mehr wiedererkannte und sich weigerte,…
Mama ist seit Juni 2024 in der vollstationären Pflege. Das musste sein und war ein langer Weg: Von „Ich lebe noch ganz alleine zu Hause“ über „Ich schlafe zu lange, nehme meine Tabletten nicht mehr regelmäßig genug und rutsche in einen epileptischen Anfall“ bis „Ich drehe zwei Runden übers Krankenhaus und ziehe dann ins Pflegeheim“ haben wir zusammen zwischen März…
Meine Mutter hatte schon immer ein besonderes Feingefühl für Timing. Und so kam sie anno 2017 mitten beim Essen anlässlich der Beisetzung meines Vaters auf die grandiose Idee, folgendes vom Stapel zu lassen: Ich muss dir jetzt mal was erzählen. Seit Jahren schon trage ich ein Familiengeheimnis mit mir herum und traue mich nicht, dir davon zu erzählen. Meine Mutter,…
Wow, ich kann gar nicht fassen, dass schon 5 Jahre vergangen sind seit meinem letzten Eintrag. Ich habe fünf Jahre nicht mehr von Mama und ihren Erlebnissen berichtet. In der Zwischenzeit ist Corona an uns vorbei gedonnert (sie hat es bisher gut überstanden), meine Tochter L ist ein Teenager geworden, wir mussten einen schweren Schicksalsschlag erleben und sind selbst noch…
Oder: Der ewige Kampf mit den Medikamenten, ein Drama in drei Akten. Prolog: Die heilige Krankenkassenkarte. Vor einigen Monaten. Ich: „Mama, der Pflegedienst kann für uns komplett die Medikamentenversorgung übernehmen. Das heißt: Wenn die Medikamente zur Neige gehen, dann rufen die beim Arzt an, bestellen ein neues Rezept, holen das Rezept ab, gehen in die Apotheke, besorgen die Medikamente und…
Heute ist Mamas Umzug genau ein Jahr her. Wie wir den Möbelwagen gepackt haben, mit den nötigsten Sachen. Wie wir gemeinsam zum PKW gegangen sind und wussten: Sie kehrt jetzt nicht mehr zurück. Ich sehe uns beide noch die Straße entlang fahren und höre sie sagen: „So, das war’s dann jetzt mit mir und Düsseldorf. Das war’s! 40 Jahre sind…
Mama wohnt jetzt seit fast zwölf Monaten bei uns in Hamburg. Wenn ich so zurück blicke, muss ich sagen, das war eine schöne Zeit bisher. Wir hatten schon so viele, schöne Momente, und sie sieht ihre Enkelin nun aufwachsen. Es gibt immer noch Tage, an denen ich das gar nicht glauben kann. Wie viel sich verändert hat, und wie gut…
Am 05.03.2018 hatte meine Mutter einen OP-Termin für die zweite Runde Grauer Star. Endlich. Und ja, Betonung auf „hatte“. Mir ist bewusst, dass der Termin in der Zukunft liegt, aber leider hatte er sich erledigt, bevor er hätte stattfinden können. Obwohl ich im Vorgespräch mit der Klinik mehrfach darauf hingewiesen hatte, man möge bezüglich dieser Angelegenheit ausschließlich mit mir kommunizieren,…
Ich brauche sowas nicht. … So ein Ding ist total unnötig. … Ich habe nicht darum gebeten. … Bitte, was hat der gekostet? Ach Du liebe Zeit! … Interessiert mich doch nicht, dass der überall Testsieger ist. Der wird hier nur rumstehen, Dein Testsieger. … Ja, ich habe ihn in der Wohnung benutzt. Na und? … Manchmal ist er schon…
Nun ist es passiert. Mama wohnt drei Haustüren weiter. Und das hört sich so simpel an, aber in Wahrheit war es ein Akt. Umziehen ist ja immer einer. Und wenn man nicht selbst umzieht, sondern den Umzug für jemand anderen organisiert, und wenn dieser andere jemand die eigene Mutter ist, und wenn mit dem Umzug nicht nur organisatorischer Aufwand, sondern…
Die letzten Wochen waren schwer für uns alle. Nach Papas Tod bin ich fast zwei Wochen lang nur gerannt, um Dinge zu organisieren. Gerannt, um die Bestattung auf die Beine zu stellen, für die ich gefühlte 3 Millionen Entscheidungen treffen musste. Gerannt, um fristgerecht alle Formalitäten zu erledigen. Gerannt, um viele Dinge aufzufangen und zu retten, auf die einen niemand vorbereitet,…
Tja, und nun sitze ich hier, im elterlichen Wohnzimmer, und habe eine Tafel Marzipanschokolade auf dem Schoß. Es war Papas Lieblingsschokolade, und die letzte Tafel, die ich online für ihn bestellt habe. Ich werde sie jetzt gleich öffnen und aufessen, und das macht mich gerade sehr glücklich. Weil ich weiß, dass er sie mir angeboten hätte. Mit einem Glas Wasser. Er…
Vor zwei Wochen wähnte ich uns am vorläufigen Ende des Weges und schrieb: „Ich kann nur noch abwarten und rein gar nichts mehr tun. Und dann, wenn es passiert ist (was auch immer), muss ich springen und zusehen, dass ich rette, was noch zu retten ist. Darauf bereite ich mich vor, so gut es geht. Denn es wird was passieren,…
Nein, wir wollen nicht umziehen. Nein, wir wollen nicht aus dem Haus raus. Nein, ich möchte keine zweite Augen-OP. Nein, nein, nein, nein, nein. Ich esse meine Suppe nicht. Tja. Was soll ich sagen, wir sind in der absoluten Sackgasse gelandet, und das auf allen denkbaren Ebenen. Mama hat sich zwar mit einem Auge tapfer dem grauen Star gestellt, sich…